Kann der Kater mich einfach nicht leiden? Soll ich die Wände katzensicher machen oder hilft eine zweite Katze als Ablenkung?

Moin, ich wohne jetzt seit kurzem mit meiner Freundin zusammen die einen 2 Jährigen Kater hat. Ich will mal ganz vorsichtig hinzufügen das ich nicht so der Haustiermensch bin, ich kann mich mit arrangieren, aber wenn er anfängt mutwillig Sachen kaputt zu machen frustet mich das total. Jaaa, ich weiß, das hätte ich vorher wissen müssen..

Naja, egal, mein Freundin ist jetzt aufm dem Trip und sagt dem Kater ist nur langweilig weil er alleine ist. Sie ist Vollzeit Berufstätig und ich bin im Außendienst und auch nur unterwegs. Ergo, das Tier ist viel allein zuhause.

Folgende Situation ereignete sich letzte Woche: er läuft viel vor mir weg, da dachte ich mir machste es mal gaaanz Vorsicht. So, ich also auf allen vieren zu dem auf dem Flur liegenden Kater hingekrochen und Ihn gestreichelt. Nach ca. 20 Sekunden macht er ne Rolle nach hinten Richtung Wand und setzt an zum Kratzen. Ich war völlig Fassungslos, was der Typ wohl fürn Problem hat.

Seit diesem Zeitpunkt denke ich er macht es nur um mich zu Ärgern und seitdem ist für mich auch eine zweite Katze vom Tisch. Keine Lust noch so ein Tier zuhause zu haben was alles in Kleinholz verwandelt um mich zu ärgern..

Ach, er hat genug kratz Möglichkeit, Bäume, Bretter, Matten... Ich hab das Gefühl das Tier hat mehr Zeug als ich... Was ich aber nicht mache ist alles so zu vernageln das meine Bude aussieht wie nen Katzenspielzimmer in dem ich die Wände vorbereite wo er sich dran auslassen kann.

Was sagt ihr zu der Situation ? Übertreibe ich... Gibt es noch Hoffnung für ein friedliches zusammenleben zwischen Ihm und mir ?

Viele Grüße Florian

10 Antworten

Warum er das jetzt konkret gemacht hat, weiß ich nicht. Was mir aber (als Wellensittichhalter ;-)) auffällt: 

Du robbst vorsichtig zu ihm hin. Besser wäre es mMn, dass du dich etwas weiter weg setzt und wartest, bis die Katze zu dir kommt. Achte auf ihre Körpersprache: Möchte sie gekrault werden, hat sie noch Interesse oder nicht. Es gibt bestimmt Videos über Katzenkörpersprache. Es kann sein, dass das Kraulen zu viel für die Katze war und sie nach hinten ausgewichen ist und dort ihre überschüssige Energie (Frust oder wie immer man das nennen will) abgelassen hat. Lass ihr immer mehr als einen "Fluchtweg".

Ich würde empfehlen, mal mit der Katze zu clickern. Clickern hat den Vorteil, dass man mit der Katze interagieren kann, ohne direkten Kontakt zu haben, dass man die Katze sehr gut auslasten kann und dass man ihr sogar beibringen kann, wo sie kratzen soll (sehr langfristig gesehen). Schau mal bei youtube nach Katzenclickertraining; es gibt dazu auch mehrere Bücher (die Bücherei wird sicher auch ein paar haben). 

Mit meiner WG-Katze (also nicht meiner eigenen) habe ich immer Jagtspiele mit Papierbällchen gemacht - das fand sie klasse und danach war sie gut ausgelastet, also müde. Papierbällchen die Treppe hochwerfen, in die Ecke, unter den Tisch usw. - so dass sie dem nachjagt. Wir hatten einen Teil eines abgesägten Baumstamms im Wohnzimmer, der der Katze völlig als Kratzbaum gereicht hat.

Kratzen an Wänden verhindern wäre über Clickertraining:

Clicker konditionieren, ein paar einfache Übungen machen, damit die Katze weiß, wie das geht (z.B. Targettraining). Dann clicken, wenn sie an den dafür vorgesehenen Stellen kratzt oder auch nur sich dort aufhält (in der Nähe reicht schon). Sie wird dann immer öfter dort sein, weil sie dort belohnt wurde und auch, um zu signalisieren, dass sie clickern will. Wenn dort das Training immer anfängt, ist der Platz für sie außerordentlich positiv besetzt und sie wird sich gern dort aufhalten. Was die Katze im Training lernt, macht ihr aufgrund der Belohnung (Lieblingsleckerli) und Aufmerksamkeit auch mehr Spaß, so dass sie das auch in "ihrer Freizeit" lieber macht.

 Zusätzlich kann man der Katze ein "komm da weg"-Signal beibringen. Man wartet immer, bis sie sich von etwas abwendet, belohnt das dann, und wenn sie es regelmäßig macht, setzt man es auf Kommando. Also man würde z.B. auch clicken, wenn sie von den Kratzwänden weggeht, aufgehört hat zu kratzen etc. und sie dann z.B. per Targetstick zu den Kratzbäumen etc. führen und dort mit ihr trainieren.

 Man kann auch hin und wieder besondere Leckerlis oder Spielzeuge, die begehrt sind und die es sonst nicht gibt, in der Nähe der Orte verstecken, an denen sie sich aufhalten soll. Immer nur ganz kurz anbieten. So werden diese Orte extrem positiv besetzt und weil es immer nur kurz dort etwas interessantes gibt, wird sie öfter dort mal nachschauen (das Interessante muss immer spontan dort liegen, nie vorhersehbar).

 Achte auch darauf, womit sich die Katze evtl. alleine länger beschäftigen könnte und biete das nur an, wenn ihr weg geht oder die Katze mit dir alleine ist und du deine Ruhe willst. Was das sein kann, müsste deine Freundin wissen. Bei Wellensittichen wäre das z.B. ein großes Stück Korkrinde (Nagen) oder ein großer Weidenball gefüllt mit Papierstreifen (Streifen rausziehen) oder ein Bund nasses Möhrengrün (Baden). Überlegt mal, womit sich die Katze ausdauernd beschäftigen könnte, so dass sie danach müde ist und weniger Ansprache braucht.

 Passives Beschäftigen (Sache ist da und Katze entscheidet, was sie damit macht und wann) und aktives Beschäftigen (Spielen, Clickern) sollten sich abwechseln. Beim Clickern kann man noch auf Kreativität gehen (s. Hundevideos "101 things to do with a box" - Karton wird ausgelegt, Hund wird für alles belohnt, dass er kreativ mit dem Karton macht, also für jede NEUE Handlung - das ist für den Hund und auch für Katzen sehr anstrengend und interessant. Statt des Kartons kann man diverse andere Gegenstände nehmen).

Allg. muss das Tier beim Clickern nachdenken und das erschöpft schon ziemlich. Wenn man parallel noch die Fitness anspricht, sollte das Tier hinterher erst mal längere Zeit Ruhe geben.

PS

Wenn es Tapete sein muss, frag mal deine Freundin, ob man etwas als Kratzgelegenheit basteln kann, bei dem etwas tapetenähnliches vorhanden ist, z.B. mehrere Papp- oder Papierlagen. Es gibt wohl auch viele Kratz- und Spielgelegenheiten, die man aus einfachen Materialien wie Pappe und Kork selbst bastlen kann und die für die Katzen aufgrund der Gestaltung interessanter sind als Wände. Dafür gibt es diverse Bücher und Videos über selbstgebasteltes Katzenspielzeug.

Hallo Florian,

so einen Malermeister hatten wir auch. Die Tapete lag noch zum Einweichen auf dem Boden und er musste erst einmal sein Kennzeichen drauf machen.

Wir hatten vor der Renovierung aber auch nicht richtig zugehört: Er wollte lieber Rauhputz. Hat er dann später auch bekommen.    ;-)

Unser Malermeister war jedoch vollkommen anders. Der setzte sich bei jedem Besuch auf dem Schoß und wollte gekrault werden.

Andere (zu anderen Zeiten) waren jedoch scheuer. Und da ist Geduld und Einfühlungsvermögen gefragt.

Erst einmal solltest Du das Füttern übernehmen. Damit zählst du in den Augen der Katze "zu den Guten". Sollte die Katze auch Trockenfutter bekommen, würde ich das dann auch nur aus der Hand füttern. Entweder zunächst auf der flachen Hand mit ausgestreckten Arm - um Abstand zu gewähren - und dann immer näher bis sie einzelne Stücke zwischen den Fingern nimmt.

Zum Thema spielen: die besten Erfolge hab ich mit einem dünnem Seil gehabt. Ein Ende in den Raum werfen - das andere in der Hand halten.

Und dann ganz langsam ab und wann 1-2 cm ziehen - nicht mehr! Das bewegt sich dann ähnlich einer Maus. Alles was sich so von einer Katze wegbewegt kann für sie nur heißen: Beute. Somit bewegt sie sich aber auch auf Dich zu. Und das ist wichtig! Bei der Gelegenheit ein Stück Trockenfutter  geben ... Nicht wundern, wenn die Katze nach der ersten Bewegung nicht sofort lossschießt. Die Katze ist ein Lauerjäger. Erst einmal ist beobachten angesagt. Manchmal habe ich 2 Meter gezogen - und dann wenn das Ende aus ihrem Sichtbereich kam, schoss sie los. Da must du ein wenig testen worauf sie anpringt.

Und eine ganz dringenden Hinweis: Niemals an dem Seil ziehen, wenn die Katze es im Maul hat - Bei einem entsprechend dimensionirtem Seil nicht das Problem - Aber wie oft habe ich gesehen, das kleine Kinder ein Bindfaden in die Hand bekommen und dann daran reißen, wenn die Katze es im Maul hat - das gibt böseste Verletzungen !!!

Ist die Katze in deiner Nähe - halt den Handrücken hin - lass sie auf dich zukommen. Nie von oben fassen! Die Katze ist auch Beute - das könnten die Krallen eines Raubvogels sein... (zumindest in der Phase wo sie dich noch nicht kennt und Vertrauen hat)

Noch eine Bitte: wenn Zweitkatze - zu der ich auch nur anraten kann - nicht jetzt wo sie sich erst einmal an dich gewöhnen soll. Und dann würd ich auf keinen Fall ein Kitten nehmen. Eine ca. gleichaltrige. Wenn man sich im Tierheim ein wenig damit beschäftigt, weis man was man bekommt. Kann das Wesen erkennen - und meist auch, wie zutraulich zu einem selber  ist. Und dann mit dem Tierheim vereinbaren, dass man die Katze in einer gewissen Zeit zurückgeben kann, falls die Katzen sich nicht vertragen sollten.

Vielleicht trägt das dazu bei, daß Eure Katze ein wenig ausgeglichener ist und nicht mehr aus lauter Langeweile oder Frust rumkratzt.

Zunächst muss ich sagen, dass ich den Argumenten deiner Freundin, was eine zweite Katze angeht, durchaus zustimmen muss. Der Kater verbringt die meiste Zeit des Tages alleine, natürlich ist ihm langweilig und ihm fehlt der Sozialkontakt mit einem gleichartigen Wesen. Möchtest du vielleicht als Mensch allein unter Katzen leben ? Erkundige dich mal bei Mehrfachkatzenhaltern, wie ihre Tiere untereinander agieren, spielen, kuscheln, gegenseitig Fellpflege betreiben. Natürlich gibt's ab und zu auch mal Rambazamba, aber das gehört bei uns Menschen ja auch dazu.....

Das Problem: möglicherweise wird das mit seiner Kratzerei besser, möglicherweise aber auch nicht. Normalerweise sollte man sich davon jetzt nicht beeinflussen lassen, was die Entscheidung für eine zweite Katze angeht. Allerdings verstehe ich durchaus, dass man genervt ist und die Befürchtung hat, dass es mit zwei Katzen quasi auch doppelt schlimm wird.

Was dein Verhältnis zu dem Tier angeht, so würde ich raten: versuch nicht, dich bei dem Kater "lieb Kind" zu machen. Katzen haben ihren eigenen Kopf. An deiner Stelle würde mich nicht zur Katze begeben, sondern lass die Katze zu dir kommen. Viele Katzen stehen total auf solche Spieleangeln mit einem Fell/Federball am Ende der Leine. Damit aber nicht ZUR Katze gehen und vor ihr herumwedeln, sondern dort sitzen bleiben, wo DU möchtest und dann mal ein bißchen damit spielen und mal gucken, ob der Kater neugierig ist, was du da hast.

Ansonsten würde ich auf "freundliche Ignoranz" setzen. Die meisten Katzen kommen dann, wenn sie bereit zur Kontaktaufnahme sind, von ganz alleine. Gerade wenn der kleine Kerl ein rechter Schisser ist, fühlt er sich wahrscheinlich von "direkter" Ansprache zu sehr bedrängt und sucht sein Heil in der Flucht. Unsere beiden Katzen waren immer direkt unsichtbar, wenn wir bestimmten Besuch hatten, und dass, obwohl meine Schwiegermutter immer versucht hatte, sie zu sich zu locken. Bei Besuch, der die Katze nicht beachtet hat, waren sie meistens sofort nach kurzer Zeit da und haben geschaut, wer uns da so besucht... Du musst ihn deshalb nicht komplett links liegen lassen, aber selbst als "geneigter Katzenbesitzer" weiß man, dass die Katze normalerweise nicht vor lauter Freude ausrastet, wenn der Dosenöffner beschließt, dass es Zeit für eine Runde Kuscheln oder Spielen wäre. Das entscheidet die Katze vorzugsweise selbst. Und natürlich oft auch, ohne die Wünsche seines Dosenöffners dabei zu berücksichtigen. Gerade wegen ihrer Eigenständigkeit und ihrer - muss ich leider zugeben - "huldvolle" Art ihrem Menschen gegenüber liebt man Katzen ja. Also ich würde durchaus sagen, dass es insofern noch Hoffnung für ein friedliches Miteinander von euch gibt. Akzeptier ihn, ignorier ihn und lass dich auf ihn ein, wenn er sich dann doch zu dir wagt. Der Tag kommt mit Sicherheit!

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